Was bedeutet „Stigma“?
Ein herabsetzendes Merkmal, das jemanden ausgrenzt.
So verwendest du das Wort
Psychische Krankheit trägt noch immer ein Stigma.
Abwertung entsteht durch gesellschaftliche Zuschreibung
Eine qualifizierte Bewerberin erwähnt eine überwundene psychische Krise. Plötzlich wird ihr pauschal mangelnde Zuverlässigkeit unterstellt, obwohl ihre Arbeit dafür keinen Anlass gibt. In dieser erfundenen Situation wirkt ein Stigma. Ein Merkmal wird mit abwertenden Annahmen verknüpft, die den Blick auf die ganze Person bestimmen.
Mehr als ein individuelles Merkmal
Ein Stigma ist im sozialen Sinn eine negativ bewertete Zuschreibung, die Menschen kennzeichnet und ausgrenzen kann. Entscheidend ist nicht allein eine Eigenschaft, sondern ihre gesellschaftliche Bewertung. Dasselbe Merkmal kann in verschiedenen Umgebungen unterschiedlich behandelt werden. Die betroffene Person trägt deshalb nicht von sich aus einen minderwertigen Status in sich.
Vorurteil und Benachteiligung können zusammenwirken
Eine abwertende Vorstellung kann dazu führen, dass jemand weniger Chancen erhält oder gemieden wird. Konkrete Benachteiligung bezeichnet man als Diskriminierung. Stigma und Diskriminierung hängen oft zusammen, sind aber nicht völlig gleichbedeutend: Das eine betrifft die abwertende Kennzeichnung, das andere besonders ihre Umsetzung in Behandlung und Handlungsmöglichkeiten.
Auch Erwartungen an sich selbst können leiden
Wer wiederholt hört, Menschen mit einem bestimmten Merkmal seien weniger fähig, kann diese Bewertung gegen sich selbst richten. Dafür wird der Begriff Selbststigmatisierung verwendet. Sie ist keine notwendige Folge und kein persönliches Versagen. Auch Regeln und institutionelle Abläufe können Ausgrenzung fördern, unabhängig von der Haltung einer einzelnen Person.
Menschen nicht auf ein Etikett reduzieren
„Die Kampagne will das Stigma psychischer Erkrankungen abbauen“ beschreibt ein gesellschaftliches Ziel. Genauer wird die Aussage, wenn die betreffenden Vorurteile und Barrieren genannt werden. In persönlichen Beschreibungen hilft es, zwischen einer Person, ihrer Erfahrung und fremden Zuschreibungen zu unterscheiden. Eine Diagnose ersetzt keine Beschreibung ihrer Fähigkeiten.
Eine Zuschreibung zerlegen
Nimm den erfundenen Satz „Solche Menschen sind unzuverlässig“. Markiere die pauschale Gruppe und die unbelegte Eigenschaft. Formuliere anschließend, welche konkrete Information für eine faire Beurteilung tatsächlich nötig wäre. So übst du, eine stigmatisierende Verallgemeinerung zu erkennen, ohne sie durch ein anderes pauschales Urteil zu ersetzen.
Erklärungen aus dem Wortreich-Wortbestand. Vertiefung aktualisiert am 21. September 2026.
Lautschrift: Einzelquelle · Mitwirkende, Bearbeitungen & Lizenz (CC BY-SA).
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